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Montag, 04.02.2019

Zeichen der Erinnerung

Gedenktafel für Barbara Hartard in der Unsöldstraße enthüllt

Den Opfern des nationalsozialistischen „Euthanasie“-Programms gedenkt die Stadt München mit Erinnerungstafeln und -stelen, die an oder vor den ehemaligen Wohn- und Arbeitsgebäuden der Ermordeten angebracht werden. Unlängst wurde ein solches Erinnerungszeichen auch in der Unsöldstraße enthüllt. Der Bezirk Oberbayern engagiert sich als Nachfolger des Betreibers von in die Tötungsprogramme verstrickten Anstalten aktiv in Projekten der Erinnerungskultur.

Den Ermordeten „ein Gesicht in den Straßen Münchens zurückgeben“ und sie „dem Vergessen entreißen“. Viel treffender als der Münchener Stadtrat Richard Quaas kann man die Funktion der Erinnerungszeichen nicht beschreiben, mit denen die Stadt München der Opfer einer grausamen Mordkampagne im „Dritten Reich“ gedenkt. Rund 300.000 Menschen mit psychischen Erkrankungen wurden durch das Nazi-Regime als „lebensunwert“ eingestuft und im Rahmen der sogenannten „Aktion T4“ ermordet – unter Ihnen mehr als 2.000 Münchnerinnen und Münchner. Eine von ihnen war Barbara Hartard; für sie wurde nun eine Gedenktafel im Lehel enthüllt.

Weihten das Erinnerungszeichen für Barbara Hartard ein (v.l.n.r.): Wolfgang Püschel, Bezirksauschuss Altstadt-Lehel, Christian Hartard, Großneffe und Richard Quaas, Stadtrat München.

Hartard arbeitete als Dienstmädchen in München und lebte ab 1924 in der Pension Daser, dem Gebäude in der heutigen Unsöldstraße 13. Im selben Jahr wurde sie in die damalige Heil- und Pflegeanstalt Eglfing-Haar eingewiesen, einem der Vorgänger des heutigen kbo-Isar-Amper-Klinikums München-Ost. Am 3. September 1940 deportierten die Nationalsozialisten Barbara Hartard gemeinsam mit 120 anderen Frauen in die Tötungsanstalt Hartheim bei Linz und ermordeten sie dort. Insgesamt starben allein in der Gaskammer dieser Anlage zwischen 1941 und 1944 rund 40.000 Menschen, zunächst Psychiatriepatienten, später auch KZ-Häftlinge.

Es sei „höchste Zeit“, dass man sich den Opfern des „Euthanasie“-Programms der Nazis widme, so Thomas Paeffgen, Großneffe von Barbara Hartard, in seinem Vortrag bei der Gedenkveranstaltung. Sie seien viel zu lange „nur eine Fußnote in der deutschen Geschichte“ gewesen. Dass es heutzutage aber mehr als nur das Gedenken braucht, betonte Paeffgen ebenfalls: „Wir dürfen nicht schweigen, wenn heute wieder Nazisymbole gezeigt werden und die Zeit des Nationalsozialismus von Politikern als ‚Vogelschiss der deutschen Geschichte‘ bezeichnet wird“. Diese Haltung unterstrich Stadtrat Richard Quaas, der die Erinnerungstafeln „ein Zeichen auch gegen aktuelle politische Entwicklungen in diesem Land“ nannte und dazu aufrief, den Rechtstaat entschlossen zu verteidigen.

Erinnerungskultur im Bezirk Oberbayern

Eine große Anzahl Patienten der beiden oberbayerischen Heil-und Pflegeanstalten Eglfing-Haar und Gabersee - heute kbo-lsar-Amper-Klinikum und kbo-lnn-Salzach-Klinikum - wurden Opfer des „Euthanasie“-Programms der Nationalsozialisten. Die Anstalten wurden vom damaligen Vorgänger des Bezirks, dem Bezirksverband Oberbayern betrieben. Der Bezirk Oberbayern arbeitet heute aktiv bei Projekten der Erinnerungskultur mit und hat im Jahr 2018 gemeinsam mit dem NS-Dokumentationszentrum München ein Buch über die Münchner Opfer der „Euthanasie“-Morde veröffentlicht.
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Claas Gieselmann
Pressestelle: Online-Redaktion, Social Media, Popularmusik
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