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17.06.2015

Bezirk Oberbayern baut Krisendienst Psychiatrie flächendeckend aus

Schnelle und wohnortnahe Hilfe für Menschen in seelischer Not

Bezirk Oberbayern weitet den psychiatrischen Krisendienst schrittweise auf ganz Oberbayern aus


Einen Meilenstein für die Versorgung psychiatrischer Krisenfälle hat der Sozial- und Gesundheitsausschuss des oberbayerischen Bezirkstags in seiner Juni-Sitzung gesetzt: Das Gremium beschloss bis 2019 den schrittweisen Aufbau eines Krisendienstes für psychiatrische Notfälle in ganz Oberbayern. Das Angebot wird zunächst als Projekt über fünf Jahre in der Praxis erprobt. Der seit 2007 bestehende Krisendienst München wird in der neuen Organisation aufgehen. Die ersten Schritte werden bereits ab Juli eingeleitet. Die geschätzten Kosten im Endausbau liegen bei ca. 7,3 Millionen Euro pro Jahr.

„Dieses Projekt ist für mich ein Herzensanliegen“, sagte Bezirkstagspräsident Josef Mederer. „Endlich können Menschen in akuten seelischen Krisen wohnortnah und rasch einen Hilferuf absetzen, ohne dass sie fürchten müssen, mit dem Notarzt auch die Polizei im Haus zu haben. Zudem werden sie dabei fachkompetent unterstützt, das jeweils am besten für sie geeigneten Hilfeangebote zu finden.“ Wichtig sei auch, so der Präsident weiter, „dass dieses Projekt das Ergebnis der hervorragenden Kooperation zwischen den Trägern der freien Wohlfahrtspflege, den Kliniken des Bezirks Oberbayern (kbo) und des Bezirks Oberbayern ist. Allen Beteiligten danke ich ausdrücklich für diese gelungene, einmalige und vertrauensvolle Zusammenarbeit.“

Der Ausbau des Krisendienstes erfolgt laut dem Beschluss stufenweise. Geplant sind vier Versorgungsgebiete, die fast deckungsgleich mit den vier Planungsregionen sind. Lediglich der Landkreis Ebersberg wird aus organisatorischen Gründen jeweils zur Hälfte der Region 14 (München und Umland) sowie 18 (Rosenheim und östliches Oberbayern) zugeschlagen. Der Startschuss wird im Landkreis München fallen – gefolgt von der Region 10, weil dort die Vorbereitungen am weitesten gediehen sind.

Die Leitstelle ist weiterhin beim Atriumhaus in München angesiedelt. Bei ihr gehen – wie beim bestehenden Krisendienst München – die telefonischen Erstkontakte ein. Sie ist ärztlich geführt, mit speziell geschulten Fachkräften besetzt und übernimmt die Erstberatung. Gegebenenfalls koordiniert die Leitstelle geeignete Hilfen. Erreichbar ist sie künftig über eine zentrale 0180-Rufnummer aus ganz Oberbayern rund um die Uhr.

„Unser wichtigstes Anliegen ist die bestmögliche Wohnortnähe der Hilfeangebote“, sagte Mederer. Deshalb übernehmen in den vier Versorgungsregionen dezentral verortete Fachstellen (u. a. Sozialpsychiatrische Dienste und Psychiatrische Institutsambulanzen) die persönliche Krisenintervention. Je nach Bedarf erfolgt dies über kurzfristige ambulante Beratungstermine, Kriseneinsätze vor Ort oder stationäre Klinikeinweisungen.

In den Krisendienst können sich alle Bürger und Bürgerinnen Oberbayerns in seelischen Krisen wenden ebenso wie deren Angehörige, Betreuer und sonstige beteiligte Dritte im sozialen Umfeld. Auch Experten aus Medizin und Fachstellen finden dort ein offenes Ohr. Eingerichtet ist der Dienst auf Anrufer aller Altersgruppen ab 16 Jahren, Menschen mit und ohne Behinderungen sowie verschiedener Kulturkreise und aller gesellschaftlichen Gruppen.

„Das Projekt ist für uns ein gewaltiger Brocken, da wir es zurzeit noch alleine schultern müssen“, bedauerte der Präsident. „Leider beteiligen sich bisher die Krankenkassen nicht, wir haben wirklich alles versucht, aber es war nichts zu machen.“ Die Krankenkassen hätten stets auf das bestehende Notfallsystem für somatische Erkrankungen verwiesen, das sie mitfinanzieren. Dieses reiche aber aus Sicht des Bezirks Oberbayern nicht aus, um vielfältigen Problemlagen von Menschen mit einer seelischen Erkrankung zu bewältigen.

Allein aus dem Großraum München gehen dort derzeit jährlich 15.000 Anrufe ein. Für das Jahr 2016 sind im Haushalt des Bezirks Oberbayern zirka 4,6 Millionen Euro eingeplant. Bis 2019 die letzte Ausbaustufe erreicht ist, steigen die jährlichen Kosten auf geschätzte 7,3 Millionen Euro. „Eine gewaltige Kraftanstrengung“, so der Präsident. „Aber schnelle und wohnortnahe Hilfe für Menschen in seelischen Notlagen ist wirklich jeden Cent wert.“

Ansprechpartner/in

Constanze Mauermayer
Pressestelle: Stellvertretende Leitung, Soziales
Telefon: 089 2198-90011
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