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Kategorie: Gesundheit
26.01.2017

Krisendienst Psychiatrie für den Südosten Oberbayerns

Notrufnummer seit 1. Februar in fünf weiteren Landkreisen freigeschaltet / Wohnortnahe Hilfe

0180 / 655 3000 – täglich von 9 bis 24 Uhr: Der Krisendienst Psychiatrie startet am 1. Februar im Südosten Oberbayerns. Für die Bürgerinnen und Bürger der Landkreise Altötting, Berchtesgadener Land, Mühldorf, Rosenheim (Stadt/Landkreis) und Traunstein heißt das: schnelle wohnortnahe Hilfe in seelischen Notlagen. Bei Bedarf können in einer Stunde Krisenhelfer vor Ort sein, um akut belasteten Menschen beizustehen und passende Hilfe zu vermitteln. Damit ist der Krisendienst für jetzt rund 3,5 Millionen Menschen erreichbar, da er in der Region München mit der Landeshauptstadt sowie den sieben angrenzenden Landkreisen bereits arbeitet.

Bezirkstagspräsident Josef Mederer sagte bei der Vorstellung des Krisendienstes Psychiatrie im Haus der Berge in Berchtesgaden, das neue Angebot sei ein „Meilenstein“ für die wohnortnahe Versorgung psychiatrischer Notfälle. Der Bezirkstag achte darauf, „dass die Lebensverhältnisse in Stadt und Land gleichwertig sind. Mit dem Krisendienst für ganz Oberbayern können jetzt endlich auch Menschen in akuten seelischen Krisen, die nicht in München leben, einen Hilferuf an eine Fachstelle richten.“ Die Leitstelle vermittle den Betroffenen bei Bedarf ein passendes Hilfeangebot – mit der bestmöglichen Wohnortnähe. „Dadurch werden hoffentlich viele Polizeieinsätze, wie sie in akuten Krisenlagen immer wieder passieren, überflüssig“, sagte Mederer weiter. „Das Wichtigste ist: Bloß nicht zu lange warten, bis man sich in einer Krise Hilfe holt.“

Das bestätigte auch Alexander Huber aus Berchtesgaden, der als ehrenamtlicher Fürsprecher den Krisendienst Psychiatrie unterstützt. Der Bergsteiger hat vor einigen Jahren selbst eine seelische Krise in Form einer Angststörung durchlebt. Sich Hilfe zu holen, so Huber, „war die beste Entscheidung meines Lebens“. Denn: „Wenn man einen Berg besteigen will, bringt es nichts, immer nur um den Berg herumzulaufen. Irgendwann muss man den Berg angehen. Gleiches gilt auch für Krisen im Leben. Wenn man merkt, dass es einem nicht gut geht, sollte man selbst aktiv werden und sich helfen lassen.“

Der Bezirk Oberbayern investiert rund 7,4 Millionen Euro pro Jahr in Aufbau und Betrieb des Krisendienstes Psychiatrie. Ausgelegt ist das Angebot auf jährlich bis zu 20.000 Anrufe aus ganz Oberbayern. Es entstehen 88 neue Stellen in der Leitstelle und bei den regionalen Sozialpsychiatrischen Diensten (SpDi). Dort sind auch die mobilen Einsatzteams für Hausbesuche angesiedelt.

Die Leitstelle nimmt unter 0180 / 655 3000 täglich von 9 bis 24 Uhr Anrufe entgegen. Sie ist von Dr. Michael Welschehold geführt und für die Erstberatung mit der Koordinierung geeigneter Hilfen zuständig. „Bei uns liegt die zentrale Lotsenfunktion“, erklärte der Psychiater. „Wir hören zu, deeskalieren, beraten und vermitteln. Die Betroffenen wissen in ihrer Not am wenigsten, wo es passende Hilfe gibt.“

In den Landkreisen sind für die Krisenintervention unter anderem die Sozialpsychiatrischen Dienste und Psychiatrischen Institutsambulanzen zuständig. Je nach Bedarf erfolgt die Krisenhilfe in Form von kurzfristigen ambulanten Beratungsterminen bei einem Sozialpsychiatrischen Dienst, Kriseneinsätzen vor Ort oder ambulanter beziehungsweise stationärer klinisch-psychiatrischer Behandlung.

Der besondere Schwerpunkt liegt in der aufsuchenden Krisenhilfe. Sie wird durch ein breites Netzwerk von Diensten der Freien Wohlfahrtspflege organisiert und durchführt. Ein Vor-Ort-Einsatz kann auch präventiv erfolgen, um die Zuspitzung einer Krise abzuwenden. „Eine frühzeitige Krisenintervention kann dazu beitragen, Krankenhausaufenthalte deutlich zu verkürzen oder ganz zu vermeiden“, sagte Prof. Peter Zwanzger, Ärztlicher Direktor am kbo-Inn-Salzach-Klinikum.

Nach den bisherigen Erfahrungen des Krisendienstes in München ist bei etwa sieben Prozent der Krisenfälle ein Hausbesuch erforderlich. Die Einsatzteams, die für die Hausbesuche ausrücken, haben täglich von 9 und 21 Uhr Rufbereitschaft. „Unsere Krisenhelfer haben die Aufgabe, möglichst passgenau und lückenlos zu den geeigneten Hilfestellen hinzuführen“, schilderte Hermann Däweritz vom Diakonischen Werk Traunstein, der den Krisendienst im Auftrag des Bezirks Oberbayern im Südosten aufbaut. „Die Einsatzteams können innerhalb einer Stunde vor Ort sein und seelisch akut belasteten Menschen helfen.“

Berchtesgaden/Traunstein/Altötting

Roman Lenzhofer ist Leiter des Sozialpsychiatrischen Dienstes (Projekteverein) in Bad Reichenhall. Er ist für die Koordinierung der mobilen Einsatzteams im Landkreis Berchtesgadener Land zuständig, die Menschen in akuten Notlagen zuhause besuchen können.  „Damit wird unser gemeindepsychiatrisches Hilfeangebot um einen großen Baustein erweitert“, freute sich Lenzhofer. „Endlich können wir den Menschen in unserer Region ein aufsuchendes, persönliches Krisengespräch anbieten.“ Der SpDi-Leiter hat dafür ein Team von 30 Fachleuten aufgebaut. „So ist effiziente Krisenhilfe vor Ort sichergestellt.“

Für den Landkreis Traunstein ist Franz Unterreiner für die Sozialpsychiatrischen Dienste Traunstein (Caritas) das Gesicht des Krisendienstes. Gemeinsam mit den Partnern Soziale Zukunft der AWO-Oberbayern und Anthojo hat er ein Team von 25 Experten der Krisenhilfe geschaffen, das am Abend, am Wochenende und an Feiertagen aufsuchende Krisenhilfe leistet, falls dies nötig ist. „Das ist bundesweit einmalig“, sagte Unterreiner.

Auch im Landkreis Altötting kooperiert ein breites Netzwerk von Diensten der Wohlfahrtspflege, um das Krisennetzwerk mit Leben zu füllen. Partner ist laut Elisabeth Borst, Leiterin des Sozialpsychiatrischen Dienstes Altötting, neben dem Diakonischen Werk Südost-Oberbayern die Soziale Zukunft der AWO-Oberbayern. 28 Fachleute hat sie dafür verpflichtet. Sie können täglich zwischen 9 und 21 Uhr ausrücken, an Wochenenden sind sie ab 13 Uhr im Einsatz.

Rosenheim/Mühldorf


Bei den Sozialpsychiatrischen Diensten für die Stadt Rosenheim und die Landkreise Rosenheim Mühldorf sind Siegfried Zimmermann und Dieter Wenzler für den Krisendienst zuständig. Für die Zeit am Abend und am Wochenende haben auch sie im Verbund mit anderen Trägern (Anthojo; D&B Team GmbH des Diakonisches Werks Traunstein e.V.; Diakonisches Werk Rosenheim; Soziale Zukunft GmbH des Bezirksverbandes Oberbayern der Arbeiterwohlfahrt; Krohn-Leitmannstetter GmbH) ein neues Team aufgebaut. 

Damit wollen sie schnelle, wohnortnahe und passende Hilfe leisten. Diese Erwartung haben auch Menschen mit Psychiatrie-Erfahrung und deren Angehörige an den Krisendienst. Rudolf Starzengruber, Vorstand der Oberbayerischen Selbsthilfe Psychiatrie-Erfahrener, sieht für die Region einen „großen Fortschritt“ und erhofft sich eine menschlichere, flächendeckende und ambulante Hilfestellung. „Oft reicht ja schon ein erleichterndes Gespräch“, sagte Starzengruber bei der Vorstellung des Krisendienstes in Rosenheim. „Die Methode, einen Hilfesuchenden mit Krankenwagen und Polizeieskorte in eine Klinik zu bringen, verschärft hingegen eine Krise noch zusätzlich.“

Elfriede Scheuring leitet in Rosenheim seit 2002 eine Gruppe der Angehörigen psychisch Kranker (ApK). Die Mitarbeiter des Krisendienstes seien „Gesprächspartner, die durch ihren objektiven Blick dem Schrecken die Schwere nehmen und Hilfen in der Region vermitteln können“. Der Schritt, den Krisendienst anzurufen, falle Betroffenen und deren Angehörigen leichter, so Scheuring, „da er nicht direkt mit Psychiatrie verbunden wird, und es speziell auf dem Land noch große Vorbehalte gibt, sich professionelle Hilfe zu holen.“

Der Aufbau erfolgt Zug um Zug: 3,5 Millionen Menschen können den Krisendienst bereits erreichen. Im April 2017 wird der Südwesten Oberbayerns aufgenommen. Im Herbst 2017 folgt zum Abschluss die Region Ingolstadt. Den Beschluss zur Aufbau des Krisendienstes Psychiatrie hatte der Sozial- und Gesundheitsausschuss des oberbayerischen Bezirkstags im Juni 2015 gefasst.

Weitere Informationen für die Medien bei Constanze Mauermayer
Telefon: 089 2198 90011
E-Mail: Constanze.Mauermayer@bezirk-oberbayern.de

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Bergsteiger Alexander Huber und Bezirkstagspräsident Josef Mederer

Foto: Peter Bechmann

Copyright: Bezirk Oberbayern, Pressestelle

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Von links nach rechts: Prof. Dr. Peter Zwanzger, Ärztlicher Direktor am Inn-Salzachklinikum Wasserburg am Inn; Hermann Däweritz, Gebietskoordinator für den Krisendienst im Südosten Oberbayerns, Bezirkstagspräsident Josef Mederer, Bergsteiger Alexander Huber, Fürsprecher des Krisendienstes; Michael Welschehold, Ärztlicher Leiter der Leitstelle, sowie Roman Lenzhofer, Leiter Sozialpsychiatrischer Dienst Bad Reichenhall

Foto: Peter Bechmann

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Von links nach rechts: Prof. Dr. Peter Zwanzger, Ärztlicher Direktor am Inn-Salzachklinikum Wasserburg am Inn, Jessica Mützky und Barbara Costachel, zuständig für die aufsuchenden Einsatzteams in Altötting und Mühldorf für die Soziale Zukunft GmbH der AWO Oberbayern, Bezirkstagspräsident Josef Mederer, Dieter Wenzler, Leiter des Sozialpsychiatrischen Dienstes Mühldorf, Hermann Däweritz, Gebietskoordinator für den Krisendienst im Südosten Oberbayerns, Michael Mauerer-Mollerus, Referent Inklusion/Teilhabe AWO-Oberbayern, Michael Welschehold, Ärztlicher Leiter der Leitstelle

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Von links nach rechts: Prof. Dr. Peter Zwanzger, Ärztlicher Direktor am Inn-Salzachklinikum Wasserburg am Inn; Bezirkstagspräsident Josef Mederer; Siegfried Zimmermann, Leiter des Sozialpsychiatrischen Dienstes Rosenheim

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Pressestelle: Stellvertretende Leitung, Soziales
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