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Kategorie: Gesundheit
04.07.2017

Mehr Wohnraum für sozial benachteiligte Menschen

Wohnungslosenhilfe und Bezirk Oberbayern fordern beim Fachtag Wohnen plus sozialverträgliches Wachstum

Neuesten Zahlen zufolge sind alleine in München über 8000 Menschen wohnungslos. Wegen des stetigen Zuzugs in die Metropolregion München gibt es für sie kaum mehr bezahlbaren Wohnraum. Um Wohnmodelle für sozial benachteiligte Menschen zu entwickeln, haben die Arbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe, die Arbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtspflege Oberbayern und der Bezirk Oberbayern am Dienstag den Fachtag Wohnen plus veranstaltet. „Wir brauchen Hilfe dort, wo die Not entsteht – also in allen Regionen Oberbayerns“, lautete die Kernforderung der Veranstalter.

Der Fachtag knüpfte an die Konferenz in Freising an, bei der 2015 der Freisinger Appell verabschiedet wurde. An der aktuellen Tagung in Landsberg am Lech nahmen rund 200 Personen aus ganz Oberbayern teil. Das Treffen stand unter dem Motto: Chancen bieten, Bündnisse schaffen, Oberbayern gestalten. Es bot Akteuren der Wohnungslosenhilfe die Gelegenheit, sich mit den politischen Ebenen der vier oberbayerischen Planungsregionen und Vertretern von Bauträgern zu vernetzen.

Erklärtes Ziel ist es, den lange vernachlässigten sozialen Wohnungsbau zu stützen und bedarfsgerecht Hilfsangebote für sozial benachteiligte Menschen weiter auszubauen. „Wir brauchen ein sozial verträgliches und nachhaltiges Wachstum“, forderte Bezirkstagspräsident Josef Mederer. „Das ist die Voraussetzung dafür, dass niemand an den Rand gedrängt wird.“

Vorträge und Diskussionen machen Fehlentwicklungen auf dem Wohnungsmarkt und deren Folgen für Menschen in sozialen Notlagen zum Thema. Der Vorstand der Inneren Mission München, Günther Bauer, forderte in seiner Funktion als Sprecher der AG Freie Wohlfahrtspflege Oberbayern mehr günstige Wohnangebote für Geringverdiener, junge Erwachsene, die aus Jugendhilfeeinrichtungen in ein selbstbestimmtes Leben wechseln wollen, sowie für psychisch kranke Menschen, aber auch für Fachkräfte in der pädagogischen, pflegerischen und sozialen Arbeit. Eine Lösung sei beispielsweise eine dauerhafte Sozialbindung von Wohnungen für die genannten Zielgruppen sowie Modelle sozial nachhaltigen Bauens.

Während des Fachtages zeigte sich, dass in der Wohnungslosenhilfe besonders großer Nachholbedarf besteht. Laut einer Erhebung von 2014 waren 7200 Menschen in Oberbayern wohnungslos; seither ist ein dramatischer Anstieg zu verzeichnen. Das Sozialreferat der Landeshauptstadt zählte im März 2017 fast 8000 akut wohnungslose Menschen allein in München. 71 Prozent sind alleinstehend; der Frauenanteil liegt bei rund einem Drittel, der Anteil der Kinder und Jugendlichen bei zirka 18 Prozent.

Fast 40 Prozent der wohnungslosen Menschen lebt mehr als zwei Jahre in einer Notunterkunft, da die Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe völlig ausgelastet sind. Dank der therapeutischen Angebote in Häusern der Wohnungslosenhilfe stabilisieren sich die meisten Bewohner im Laufe von 24 Monaten soweit, dass sie wieder in einer eigenen Bleibe leben könnten. Weil sie keine Wohnung auf dem freien Markt finden, können sie die stationäre Unterbringung nicht verlassen – mit der Folge, dass das System überlastet ist.

Aktuell gibt es in Oberbayern rund 1200 Plätze in stationären Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe, die der Bezirk mit rund 20 Millionen Euro pro Jahr fördert. Auffällig ist, dass Wohnungslose besonders auf dem Land einen schweren Stand haben. Die genannte Bestandserhebung hat dies jetzt bestätigt: In 16 von 23 Landkreisen und kreisfreien Städten gibt es keine ambulanten und/oder stationäre Hilfsangebote für wohnungslose Menschen. Über 80 Prozent der stationären Plätze konzentrieren sich auf die Landeshauptstadt München sowie den Landkreis Weilheim-Schongau und die Stadt Rosenheim. „Das halte ich für nicht hinnehmbar“, sagte Bezirkstagspräsident Mederer. „Wohnungslosigkeit entsteht auf dem Land genauso wie in der Stadt. Deshalb brauchen wir mehr Hilfsangebote – flächendeckend in allen Regionen Oberbayerns."

Der Vorstand des Katholischen Männerfürsorgevereins, Ludwig Mittermeier, forderte in seiner Funktion als Vorsitzender des Kuratoriums der Arbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe München und Oberbayern von allen Akteuren die Bereitschaft zum Dialog. „Wir brauchen gemeinsame Lösungen. Die bestehenden fachlich ausgereiften Konzepte passen wir gerne an den Bedarf und die Herausforderungen in den Landkreisen und Gemeinden des Bezirks Oberbayern an“, versprach Mittermeier. „Nur so wird es uns gelingen, für jede Region passende Angebote zu entwickeln."

Weitere Informationen für die Medien bei Constanze Mauermayer
Telefon: 089 2198 90011
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